Ich habe eine Anfrage per Mail bekommen und die klingt ziemlich verärgert. Und das ist durchaus verständlich. Da schreibt einer, diese ganzen Studien, dass Gehen den Zucker senkt, die funktionieren leider bei mir gar nicht. Ich gehe mit einem Wert von 110 weg, komme nach einer halben Stunde zurück mit 260.
Wo bleibt da der bessere Zuckerwert nach Gehen? Viele Grüße und ein erfolgreiches Jahr 2026 wünscht Ihnen… Tja, da kann man sich natürlich ärgern. Überall steht, dass Gehen Spazierengehen so gut ist für den Blutzucker und dann das mit 110 weggehen, mit 260 ankommen. Es gibt zwei Erklärungen dafür und damit auch zwei Ansätze, wie man das ein bisschen weniger schlimm machen kann.
Herzlich willkommen bei der ersten Podcast-Folge im Jahr 2026. Ich bin Dr. Susanne Pusarnig, Ärztin für Allgemeinmedizin und hier im Internet die Zuckertante. Ich begleite, berate, betreue Menschen mit Diabetes seit über 25 Jahren und kann jetzt meine Erfahrung und mein Wissen hier im Internet weitergeben.
Und vor allem in unserer neuen App. Sie finden sie unter app.zuckertante.at im Internet. Also noch nicht in den App Stores und auch nicht im Google Play Store, sondern im Internt: App, also app.zuckertante.at und ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort sehen. Sie brauchen sich dann nur mit Ihrer E-Mail-Adresse anmelden und können schon vieles sehen.
Ja, und in unserer App wohnt auch der Klub der Zuckertante, der hat ja auch sein Zuhause, aber das ist ein bisschen eine andere Geschichte. Zurück zu der Frage nach dem Gehen. Ja, da gibt es von mir einen Blogartikel, der heißt: „Gehen, einfach Gehen, ja bringt denn das was?“ Und das ist einer der meist gelesenen Artikel auf meiner Seite und das ist auch der Artikel, zu dem ich am meisten Rückmeldungen und Mails bekomme.
Übrigens wenn Sie bei mir irgendwas hören oder lesen was Ihnen gefällt oder was Sie ärgert oder wozu Sie was erzählen möchten, bitte melden Sie sich bei mir. Auf der Homepage der Zuckertante gibt es natürlich das Kontaktformular unter „Frag die Tante“. Und sonst gibt es noch ein E-Mail an mich, ordination@pusarnig.at oder frage@zuckertante.at, ganz wie Sie mögen.
Aber über die Homepage ist es am leichtesten, denn wenn Sie jetzt Podcast hören, dann haben Sie wahrscheinlich nicht Zettel und Bleistift dabei. Homepage der Zuckertante natürlich auf www.zuckertante.at Tja, die Frage vom Eingang. Da ärgert sich jemand sehr, dass der Zucker nach dem Gehen wirklich hoch ansteigt.
Was an der Frage ein bisschen ungewöhnlich ist, ist, dass der Fragesteller meint, er geht nur eine halbe Stunde. Tja, trotzdem schauen wir mal, woran das liegen könnte. Denn normalerweise hofft man ja, dass durch Bewegung der Blutzucker sinkt Die Muskeln verbrauchen mehr Zucker und das ist gut und deshalb geht der Blutzucker runter, wenn man nur ausreichend Bewegung macht.
So kann man es in jeder Diabetes-Schulung hören und auf vielen Internetseiten lesen. Und da stimmt ja auch alles. Aber eben nicht immer. Und es gibt zwei Erklärungen dazu. Beide sind ein bisschen kompliziert. Nummer eins. Der Fragesteller geht los mit Muskeln, die nicht sehr viele Zuckerreserven haben.
Muskelzellen können ja selbst ein bisschen Zucker als Reserve einlagern. Zucker als Reserve heißt Glykogen und die Reserve im Muskel heißt daher Muskel Glykogen. Nun, die Muskelzellen lagern Zucker ein aus mehreren Gründen. Vor allem wenn sich ihr Mensch, ihr Herrchen oder Frauchen regelmäßig bewegt, dann wissen die Muskelzellen, ui ui Ich werde bald wieder einmal so richtig Kraft brauchen.
Besser, ich lege mir ein bisschen Treibstoff auf Vorrat, ich lagere Zucker ein. Oder Muskelzelle lagern Zucker ein, weil jemand frisch mit Bewegung angefangen hat. Nicht nach einmal oder zweimal spazieren gehen. Aber nach ein paar Tagen mitgehen wird meistens auch den faulsten Muskelzellen klar gemacht Äh Herrchen oder Frauchen scheint das jetzt öfter zu machen, blöde Geschichte, muss ich mir wohl ein bisschen Vorräte anlegen.
Wenn die Vorräte nicht da sind, dann eben entweder deshalb, weil sich dieser Mensch vor nicht allzu langer Zeit ausgepowert hat und die Muskelzellen noch einfach keine Zeit gehabt haben wieder Vorräte anzulegen Oder wenn das jemand ist, der sich nur sehr selten und wenig bewegt und wo seine Muskelzellen dann einfach nicht auf die Idee kommen, dass sie sich Vorräte anlegen.
Naja, und wenn man mit leeren Muskelspeichern losstartet, dann passiert recht bald Folgendes. Der Muskel bewegt sich und gerade wenn man untrainiert ist, dann ist es ja ziemlich anstrengend für die Muskeln Auf einmal diese 70 oder mehr Kilo im flotten Tempo durch die Gegend zu bewegen. Und die Muskelzellen schrecken sich.
Und die sagen dem Gehirn schau was da los ist, schau was unser Mensch macht. Lang halten wir das nicht mehr durch. Wir brauchen Nachschub. Bitte schick uns Zucker, Zucker, Zucker. Und das Gehirn regt sich wieder ab. Muskel, mach ich doch. Ich sag's gleich der Leber. Gehirn an Leber, Zucker ausschütten. Und jetzt?
Greift die Leber auf ihre Zuckerspeicher zurück und wirft brav Zucker ins Blut. Ja, und wenn dieser Mensch jetzt ganz gesund wäre und keinen Diabetes hätte, dann wäre das auch gar kein Problem. Denn bei Gesunden merkt er die Bauchspeicheldrüse sofort, da steigt der Zucker im Blut an, ich muss mehr Insulin abgeben.
Bei Diabetes funktioniert das nicht so recht. Bei Typ 2 Diabetes kann es sein, dass die Drüse es einfach nicht schafft, so schnell mehr Insulin ins Blut abzugeben oder dass sie es halt nicht schnell genug schafft. Naja, dann schwimmt der Zucker, den die Leber zu Hilfe geschickt hat, eben im Blut rum, kann leider nicht in die Muskelzellen rein, was dann noch dazu beiträgt dass einem Bewegung nicht Spaß macht, dass man es ziemlich anstrengend empfindet.Der Blutzuckerspiegel ist hoch.
Also erste Möglichkeit, es wurde die Bewegung begonnen mit ziemlich leeren Muskelspeichern. Der Muskel hat wenig Zucker gespeichert gehabt, entweder weil ausgepowert durch heftige Bewegung oder der Muskel meinte, ist nicht notwendig Reserven anzulegen weil unser Herrchen ohnehin nie was macht. Leere Muskelspeicher bedeuten, dass der Muskel sehr schnell nach Beginn der Bewegung um Hilfe schreien muss.
Dann schickt die Leber Speicherzucker ins Blut. Und wenn dieser Körper nicht schnell genug und nicht viel genug Insulin produzieren kann, ja dann schwimmt eben dieser Leberzucker im Blut rum und macht hohe Zuckerwerte. Das ist die eine Möglichkeit Das ist auch die häufigere Möglichkeit. Das ist etwas, das wir sehr häufig sehen und natürlich besonders dann, wenn Menschen sich vornehmen, ab jetzt mache ich Bewegung weil das ist doch so gut für meinen Zucker, die dann maßlos enttäuscht sind, wenn der Zucker nach der Bewegung eben höher ist und nicht wie erwartet und erhofft tiefer.
Und insofern passt diese Frage sehr gut für die erste Folge im Jahr, denn jetzt sind da draußen einige Leute unterwegs, die es versuchen mit Bewegung, weil das doch so viel hilft, weil sie halt NAYAZ-Vorsätze gefasst haben. Und die Sache mit den NAYAZ-Vorsätzen, das ist ja auch eine schwierige. Gerade im Freien sich zu bewegen ist halt einfach schwierig Es ist kalt, es ist lange dunkel, schwierig das Ganze und so, kommen gerade solche Vorsätze immer recht schnell ins Wackeln.
Ich als Zuckertante mache heuer schon zum fünften Mal ein Webinar zum Jahreswechsel. Bis jetzt waren diese Webinare immer zwischen Weihnachten und Neujahr. Aber ich habe voriges Jahr einiges an Rückmeldungen bekommen, zwei, drei Wochen nach dem Webinar Dass halt alles schon wieder ganz schwierig ist und da ist oft gestanden etwas wie ich war so begeistert ich habe mir so viel vorgenommen nach dem Webinar, jetzt sind drei Wochen vergangen und nichts mehr funktioniert.
Und deshalb gibt es heuer dieses Webinar erst gegen Ende Jänner und zwar am 23. Jänner 2025 um 19 Uhr. Wenn Sie das interessiert, wenn Sie das noch rechtzeitig hören, Bitte gehen Sie gern entweder in unsere App, app.zuckertante.at, da finden Sie es unter Terminen, oder Sie gehen einfach auf die Homepage der Zuckertante, da ist ganz oben jetzt so ein roter Balken und da kann man draufklicken und schauen, was das eigentlich ist und sich natürlich kostenlos anmelden.
So genug der Werbung. Ich bin Ihnen ja noch schuldig Die zweite Variante, warum Zucker nach Bewegung hochgehen kann. Nun, der zweite Grund, dass der Zucker bei Bewegung hochgehen kann, das ist Stress. Stresshormone in erster Linie das Cortisol. Jetzt können Sie natürlich sagen, was soll denn bitte so stressig sein bei Spazierengehen?
Naja, da kennen Sie unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen schlecht. Es gibt Menschen, die doch tatsächlich auch aus Freizeitaktivitäten Einen Wettkampf machen und wenn niemand anderer zu sehen ist, als Gegner, dann halt einen Wettkampf mit sich selber. Ich muss unbedingt noch schneller, sonst hilft es ja nichts, so langweilig spazieren gehen bringt nichts, flott flott flott dass ich ein bisschen außer Atem komme, sonst bringt das ja nichts.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Das kann wirklich so heftig sein, Dass man sich selbst unter Stress setzt und unter Erfolgszwang und damit tatsächlich die hormonelle Stressantwort des Körpers auslöst. Stresshormone im Blut steigen, Herz schlägt schneller, Blutdruck steigt, Atmung wird tiefer. Das ist bei so einer ungewohnten Bewegung am Anfang sogar ein bisschen hilfreich.
Die Leute spüren, dass sie unter dem Stress schneller unterwegs sind, weiterkommen. Das ist ja auch der Sinn im Tierreich einer Stressreaktion. Bei den Säugetieren in der Steppe hat Stress ja immer bedeutet, ich laufe davon oder ich laufe hinten nach und jage meine Beute. Auf jeden Fall war weit und schnell laufen können wichtig.
Und die Stressreaktion in unserem Körper, die stellt ja Energie bereit für alle Zellen. Mehr Sauerstoff durch die schnellere und tiefe Atmung und durch die schnellere Herzaktion und durch die schnellere Pumpfunktion des Herzens und durch den höheren Druck, aber auch Energie in Form von Zucker, der jetzt wieder unter dem Einfluss der Stresshormone vor allem des Cortisols, aus der Leber ins Blut abgegeben wird.
Und wenn man so eine Bewegungseinheit also als Wettkampf anlegt, Vielleicht auch nur als Wettkampf gegen sich selbst oder gegen den inneren Schweinehund, dann kann es durchaus sein, dass diese hormonelle Stressreaktion ausgelöst wird und dass eben der Zucker nach der Bewegung viel höher ist als davor.
Übrigens diesen blöden inneren Schweinehund den mag ich gar nicht. Ich mag eigentlich auch den Ausdruck nicht. Es gibt immer Gründe, wenn Menschen es nicht schaffen, regelmäßig Bewegung zu machen. Und die hohen Zuckerwerte nach einer Bewegungseinheit, die können einen natürlich wirklich demotivieren, verärgern, unsicher und enttäuscht machen.
Und da ist es dann ganz klar, dass das, weiß Gott, keinen Spaß macht und dass man schnell wieder damit aufhört. Was kann man jetzt dagegen tun, gegen diesen Zuckeranstieg nach der Bewegung wenn er denn vorhanden ist? Das kommt auf die Ursache an. Wenn es daran liegt, dass der Muskel ausgepowert war, dann macht man einfach zu viel.
Gerade am Anfang ist es nicht gut, jeden Tag sich zu überfordern. Es macht schon Sinn, dass auch Spitzensportler immer wieder Pausen machen, um dem Körper Zeit zu geben zur Regeneration. Da wäre es vielleicht besser. Nur jeden zweiten Tag loszuziehen und sich eben nicht zu überfordern. Wenn der hohe Wert daherkommt, dass die Muskelzellen keine Vorräte haben, weil man sich eben sehr selten bewegt und die Muskelzellen keinen Grund haben, sich Vorräte anzulegen, dann hilft am besten, Geduld haben mit sich selber, dranbleiben.
Gerade auch als Anfänger vielleicht wirklich nur jeden zweiten Tag. Auch da nicht zu schnell unterwegs sein, spazieren, schlendern am Anfang, einfach ein bisschen in Bewegung kommen und wenn Sie das im Jänner schaffen, wo es kalt und eisig und rutschig ist, dann ist das schon sehr viel. Da geht es am Anfang überhaupt nicht darum, was haben Sie für einen Puls wie weit kommen Sie, wie tief atmen Sie, das ist alles nicht wichtig.
Da ist wirklich nur wichtig, dass Sie sich an dieses Tun gewöhnen Und dass es sie nicht überfordert. Und natürlich, wenn der hohe Zucker nach der Bewegung aus einem gefühlten Wettkampf kommt, wenn man merkt dass man recht verbissen an die Geschichte rangeht, eigentlich dauernd in Konkurrenz mit sich selber ist, dann wäre halt die Lösung, zu versuchen, da ein bisschen loszulassen Und zu sagen, ich gehe jetzt spazieren, nicht nur, um bessere Zuckerwerte zu haben, sondern auch, um mich zu beruhigen, um mich zu entspannen.
Und entspannend beim Spazierengehen kann ich mich natürlich auch nur, wenn ich nicht an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit unterwegs bin, sondern wenn ich gemütlich vor mich hinschlendere, ein Liedlein auf den Lippen, wie man so schön sagt, auch noch ein bisschen Aufmerksamkeit habe für alles, was da rechts und links am Wegrand sich tut, Vielleicht gibt es irgendwo noch kleine Schneeflecken, irgendwelche interessanten Strukturen Formen an Bäumen oder im Gestrüpp oder auch in der Stadt irgendwelche Auslagen, wo man langsamer vorbeigeht vielleicht auch einmal stehen bleibt, vor einer Buchhandlung ein paar Titel von Büchern liest.
Einfach diese Bewegung jetzt nicht als Aufgabe und nicht als etwas Unangenehmes und schon gar nicht als ganz blöden und doofen Wettkampf mit sich selber sieht. Ich sage jetzt nicht, dass irgendjemand da einen Fehler gemacht hat. Dieses auch die Freizeit durchtakten und alles muss effizient sein, das ist ja ein Zeichen unserer Zeit.
Und es wird uns ja auf vielen, vielen Kanälen in Social Media, auf YouTube, in Zeitungen, in Fernsehsendungen, dieses Dauern sich selber verbessern müssen, Das hören wir so oft und es ist nicht leicht, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Zusammenfassend kann man sagen, ein höherer Zuckerwert nach Bewegung zeigt einem immer, aus irgendwelchen Gründen war das für mich ziemlich anstrengend.
Und die Lösung ist immer dranbleiben, wenn man sich überfordert hat, an Pausen denken, Und wenn man ein blutiger Anfänger ist, dann einfach Geduld haben mit sich selber, dann geht dieser Effekt auch recht schnell vorbei, wenn man dreimal, viermal, fünfmal pro Woche eine halbe Stunde spazieren schlendert und den Körper langsam dran gewöhnt.
Und auf einmal werden Sie dann merken dass die Zuckerwerte nachher immer weniger hoch werden. Und irgendwann dann sogar auch, so wie wir es ja alle gern hätten, sinken. Dass das bei sehr schnell der Fall ist, dass Sie sich bald daran gewöhnen und das Gehen für Sie dann etwas wird, was Ihnen Spaß macht, was Sie entspannt und was Ihnen auch noch bessere Zuckerwerte beschert, das wünsche ich Ihnen ganz herzlich.
Die Zuckertante grüßt und wünscht allzeit gute Werte.